Wettbewerb

    Die harte Arbeit am Glück

    Kurzfilmprogramm
    Mittwoch, 11.6.2014, 20 Uhr
    Luru Kino

    Das Verhältnis von Arbeit und Leben ist nachhaltig aus der Balance geraten. Längst gehört es zum guten Ton, die Arbeit als identitätsstiftendes und glücksspendendes Tun zu verstehen. Das führt dazu, dass man nie genug zu tun haben kann. Im Umkehrschluss führt das Fehlen einer Erwerbsarbeit nicht nur zu persönlichen ökonomischen Krisenlagen, sondern auch zu einem emotionalen Vakuum, das sich auch nicht durch behördlich verordnete Selbstbehauptungsstrategien (Ich-AG) füllen lässt. Während Arbeit für die einen wie das letzte Puzzlestück zum persönlichen Glück erscheint, kapitulieren andere vor Deadlines und To-Do-Listen. Die Gesprächspartner von Sandrine Dryvers beschreiben ihren Kampf, inmitten dieser Verwerfungen das Gleichgewicht zu halten, mit sehr ehrlichen Worten.

    Für die Manager, die Harun Farocki in den 1980er Jahren bei einer Weiterbildung begleitet, ist Arbeitslosigkeit gar keine Option. Sie lernen schließlich gerade, wie sie sich selbst als Produkt perfekt am Markt platzieren. Bei diesem 'Auftritt' haben Zweifel keinen Raum. Den Filmemacher Jan Peters interessieren nicht die Gewinner, sondern die kreativen Lösungen, die Menschen jenseits des umkämpften '1. Arbeitsmarktes' ersinnen. Nebenbei unterzieht er den politisch forcierten Trend zur Selbstständigkeit einer humorvollen Überprüfung. Die estnische Künstlerin Kaj Kaljo beschränkt sich schlicht und einfach darauf, ihre eigene Arbeits- und Lebenssituation zu beschreiben (I am very happy) – und erntet dafür nachhaltiges Gelächter. Vielleicht ist es angesichts solcher Reaktionen besser, sich nicht der Arbeit zu widmen, sondern voller Freude der Procrastination zu frönen, wie es Johnny Kelly in seinem wunderbaren Animationsfilm getan hat.


    Loser
    Kaj Kaljo, EST 1997, 2 min
    Dieses Video entstand für die Ausstellung Funny and Bizarre in Vilnius. In diesem Moment konnte ich mir nichts Lustigeres vorstellen als mein eigenes Leben. Es war für mich eine große Überraschung, dass das Publikum geneigt war, diese Ansicht zu teilen.


    ALTER / EGAUX
    Sandrine Dryvers, BE 1999, 35mm, 12 min
    Arbeit. Was meint dieses Wort eigentlich? Der Film weigert sich, eine Expertensicht einzunehmen. Stattdessen gibt er die Möglichkeit, mit Männern und Frauen zu sprechen, die es versucht haben. Vor der Kamera und ohne Vermittler, sehen wir Gesichter, Körper und Ruhe, die zwingende Fragen aufwerfen.

    Aus dem Archiv der Int. Kurzfilmtage Oberhausen 


    Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde
    Jan Peters, DE 2007, 15 min
    Ein Filmtagebuch über den Versuch, ein Praktikum bei einem Frührentner zu machen, der sich etwas dazu verdient, indem er sich täglich am Frankfurter Flughafen eine Gruppenkarte für die U-Bahn kauft und dann am Fahrkartenautomaten den Reisenden anbietet, sie zu ihrem jeweiligen Reiseziel zu begleiten – gegen eine kleine Kostenbeteiligung, etwas günstiger als der eigentliche Fahrpreis, versteht sich.


    Ziele: Die Schulung
    Harun Farocki, DE 1987, 44 min
    Ein Film über ein fünftägiges Seminar, in dem leitende Angestellte lernen sollen, sich selbst besser zu verkaufen. Der Managerkurs vermittelt Grundregeln von Dialektik und Rhetorik, trainiert Körpersprache, Gestik und Mimik. Eine Sache verkaufen, das ist von jeher Prinzip der merkantilen Aktion. Die Idee, sich selbst feilzubieten, wurde durch die Verbindung von Psychologie und modernem Kapitalismus perfektioniert.


    Procrastination
    Johnny Kelly, GB 2007, 4 min
    Eine investigative Untersuchung über die Praxis von Arbeitsvermeidungsstrategien. Manchmal besteht die einzige Möglichkeit, um etwas fertig zu machen, darin, erst einmal zwei Dutzend andere Sachen zu tun.

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    f/stop 2016

    The next festival takes place from June 25th to July 3rd 2016.

     

     

    f/stop goes Nürnberg

    Die Ausstellungen „Get lucky!“ und „Personal Issues – Magazinfotografie als Statement“ werden vom 20.9. bis 5.10.2014 im Rahmen von „Offen auf AEG“ in Nürnberg zu sehen sein. Geöffnet ist immer Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Wer f/stop in Leipzig verpasst hat, kann einen Besuch hier nachholen. Außerdem präsentiert Jürgen Teller die Ausstellung „WE’VE GOT THE LOOK“ in der Akademie Galerie. Ein Grund mehr nach Nürnberg zu kommen! Eröffnet wird am 20.9.2014 12 Uhr!

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